Spiegelungen. In den Bildern von Petra Levis kommen seit einigen Jahren mehr und mehr Spiegelungen vor. Es spiegeln sich Tassen, Tüten, Gläser, Petits Fours, Charlotten, Buntstifte. Sie spiegeln sich in Glas, poliertem Metall und in sich selbst. Warum tun sie das? Was bezweckt die Künstlerin damit? Was bedeuten Spiegelungen in der Kunst?
Im Mittelalter begegnete man den Dingen der Welt entweder mit Demut oder mit Gleichgültigkeit. Objekte waren heilig oder profan. Spiegel waren Werkzeuge des Teufels. Seit der Renaissance ist der Einsatz des analytischen Verstands als Mittel der Welt-Aneignung erlaubt. Seitdem haben Spiegel auch in der Kunst eine veränderte Bedeutung. Heute ist Spiegelung ein Symbolbegriff für rationale und kritische Haltung. Nicht umsonst heißt ein Organ der politischen und gesellschaftlichen Aufklärung "Der Spiegel".
Physikalisch heißt Spiegelung "Reflexion". Reflexion aber heißt bekanntlich nicht nur optisches Widerspiegeln sondern auch Nachdenken. Spiegelung hat immer mit Nachdenken, Bewusstsein und Bewusstheit zu tun - auch in der Kunst.
Die Malerin Petra Levis reflektiert malend, wie Malerei funktioniert: Wie darzustellende Gegenstände sich verhalten, wenn man sie nicht als Gebrauchsobjekte, sondern als Formen und Flächen sieht. In der Spiegelung verlieren Gegenstände nämlich einen Teil ihrer Gegenständlichkeit und werden zu abstrakten Gebilden. Petras Levis' Malerei thematisiert sich selbst. Das Thema ihrer Malerei ist nicht ein Glas, sondern die Malerei anhand eines Glases.
© Michael Haussmann



































































































































